Die zentrale Frage dieses Textes:
Reicht es aus, wie viel einer Substanz im Körper ankommt, um daraus auf ihre Wirkung zu schließen – oder greift dieses Maß zu kurz?
Warum Bioverfügbarkeit in Studien eine Rolle spielt
In Studien beschreibt Bioverfügbarkeit, wie viel einer Substanz nach der Einnahme im Blut oder Gewebe messbar ist. Sie hilft, unterschiedliche Darreichungsformen zu vergleichen: Kapsel, Spray, Lösung, Inhalation.
Für die Forschung ist das wichtig, weil es vergleichbar und messbar ist. Zahlen lassen sich nebeneinanderlegen, reproduzieren und statistisch auswerten.
Was Bioverfügbarkeit jedoch nicht zeigt, ist, wie diese Menge vom Körper genutzt wird – oder ob sie überhaupt als relevant wahrgenommen wird.
Was Bioverfügbarkeit konkret misst
Bioverfügbarkeit beantwortet im Kern drei Fragen:
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Wie schnell gelangt eine Substanz in den Blutkreislauf?
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Wie hoch ist die messbare Konzentration?
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Wie lange bleibt sie nachweisbar?
Diese Daten sagen etwas über Aufnahme und Verteilung, nicht über Verarbeitung.
Zwei Produkte können eine ähnliche Bioverfügbarkeit haben – und dennoch sehr unterschiedlich „ankommen“.
Warum Wirkung mehr ist als Aufnahme
Wirkung entsteht nicht automatisch dort, wo etwas messbar ist.
Der Körper reagiert nicht mechanisch, sondern regulativ. Er entscheidet, was er nutzt, abbaut, umwandelt oder ignoriert.
Ein hoher messbarer Wert bedeutet daher nicht zwangsläufig:
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stärkere Effekte
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längere Effekte
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gleiche Effekte bei allen Menschen
Bioverfügbarkeit beschreibt den Weg in den Körper, nicht das Geschehen im Körper.
Der Faktor individuelle Verarbeitung
Studien können Durchschnittswerte abbilden, aber keine individuellen Reaktionen vorhersagen.
Die Verarbeitung hängt unter anderem ab von:
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Stoffwechselgeschwindigkeit
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Enzymaktivität
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Tageszeit
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aktueller Belastung
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Zusammenspiel mit anderen Substanzen
Diese Faktoren entscheiden, ob und wie eine Substanz in bestehende Prozesse eingebunden wird.
Bioverfügbarkeit bleibt davon unberührt.
Was Studien erfassen können – und was nicht
Studien können gut messen:
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Konzentrationen
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Zeitverläufe
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statistische Unterschiede
Studien können schlecht oder gar nicht erfassen:
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subjektives Empfinden
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feine Veränderungen
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Kontextabhängigkeit
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individuelle Bedeutung
Messwerte zeigen, dass etwas passiert.
Wie sich das anfühlt, lässt sich daraus nicht ableiten.
Ein häufiger Denkfehler
Ein verbreiteter Kurzschluss lautet:
„Wenn mehr ankommt, passiert automatisch mehr.“
Diese Logik klingt plausibel, ist biologisch aber unvollständig.
Der Körper ist kein leerer Behälter, sondern ein dynamisches System, das ständig ausgleicht, filtert und priorisiert.
Bioverfügbarkeit ist deshalb ein Baustein, kein Wirkversprechen.
Wie Bioverfügbarkeit sinnvoll eingeordnet wird
Richtig verstanden hilft Bioverfügbarkeit:
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Einnahmeformen zu vergleichen
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Studien einzuordnen
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Zahlen realistisch zu lesen
Sie erklärt jedoch nicht:
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ob etwas spürbar ist
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wie stark etwas erlebt wird
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ob eine Veränderung wahrgenommen wird
Wer das trennt, kann Studien nüchtern lesen – ohne falsche Erwartungen.
Kurz eingeordnet:
Bioverfügbarkeit sagt etwas darüber, wie viel ankommt.
Wirkung entsteht dort, wo der Körper entscheidet, was daraus wird.
